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"AUSSTELLUNGSKRITIK" nimmt fahrt auf. Bericht von PLOT

Text von Janina Poesch / PLOT

In den Medien lesen wir Kritiken über Kinofilme, Oper- und Theater-Stücke, Publikationen und manchmal auch über das ein oder andere neue Museum mitsamt komplettem Halbsatz über die Dauerausstellung. Das ist schön, denn sonst würden wir auf so manch neue Veröffentlichung gar nicht stoßen, aber auch traurig, denn die Disziplin der Ausstellungsgestaltung taucht in der Tagespresse meist gar nicht auf: Urheber werden nicht genannt und die Qualität der Ausstellung nicht durch deren Gestaltung und gekonnte Inszenierung der Exponate, sondern eher durch den Ansturm am Tag der Vernissage beurteilt. Dies muss sich ändern! Das dachten sich auch die Schweizer Gestalterin Gina Moser und die Ausstellungskuratorin Regula Wyss: Auch sie sind der Meinung, dass Ausstellungen fast ausschließlich unkritisch beschrieben werden – Qualität der Darbietung und Vermittlung, Story oder Autorenschaft suchten sie vergebens. Dementsprechend initiierten sie kurzerhand einen Kriterienkatalog, der differenzierte Kritiken in der Tagespresse durchaus unterstützen könnte. Als Expertinnen im Bereich der Ausstellungsgestaltung entwickelten sie ein Verzeichnis und nahmen Merkmale auf, die ihnen für die Beurteilung der Qualität einer Ausstellung wichtig erschienen: Thema, Objekte, Inhalt und Schauwert; Zugänglichkeit und Vermittlung; Wirkung; Texte und Medieneinsatz; Autorenschaft und Zielsetzung; Publikumsfreundlichkeit, Versprechen, Zusatzleistungen und Begleitprogramm; Ausstellungsort; Katalog und Preise. Sehr ausführlich werden diese Punkte behandelt und dabei stets die richtigen Fragen gestellt. Der Katalog soll als Anregung und Hilfsmittel zum Verfassen von Ausstellungskritiken dienen, wobei die Gliederung nach verschiedenen Aspekten das Strukturieren der Kritik ebenfalls erleichtern soll. Egal ob Journalisten, Kommunikationsbeauftragte in Museen, Kuratoren, Museumsfachleute und -pädagogen oder Jurymitglieder: Sie alle können diese breite Aufstellung nutzen, um sowohl die Diskussion als auch die qualitative Weiterentwicklung des Formats „Ausstellung“ voranzutreiben. Zudem kann der Katalog auch von Ausstellungsmachern als modularer Werkzeugkasten für ihre kreative Arbeit genutzt werden.

Fehlt eigentlich nur noch das Medium, in dem die Ausstellungskritik veröffentlicht werden kann. Hier schafft die Dortmunder DASA Abhilfe: Gemeinsam mit Dr. Bernd Holtwick, Leiter Ausstellungen, wurde hier eigens ein Blog für Ausstellungskritiken aufgesetzt, der für alle Interessierten zugänglich ist und in dem Texte veröffentlicht werden, die nicht über 1.500 Wörter hinausgehen.

Und natürlich bleibt der Kriterienkatalog dynamisch: Gina Moser nimmt gerne weitere qualifizierte Rückmeldungen unter moser@ausstellungs-design.ch entgegen und sieht positiv in die Zukunft: „Wenn es uns gelingt eine Form von fundierten Ausstellungsbesprechungen zu etablieren, lassen sich vielleicht in Zukunft auch die Medienschaffenden dafür gewinnen!“

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Wie spiegeln die Medien Ausstellungen? Und was hat das mit uns Museumsfachleuten zu tun?

Wie spiegeln die Medien Ausstellungen? Und was hat das mit uns Museumsfachleuten zu tun?

Von Gina Moser und Regula Wyss

Kinos, Opern und Bücher werden meistens differenziert kritisiert und liefern dem Publikum gute Anhaltspunkte über das Angebot. Kritiken über Ausstellungen erschöpfen sich meist in der Beschreibung des Themas oder des Künstlers. Im besten Fall enden sie mit einem Satz zur Szenografie und einem Kasten zu Laufzeit und Öffnungszeiten.

Kinokritiken versprächen mehr Spass für angehende junge KulturjournalistInnen. Um Ausstellungen zu kritisieren, da müsse man vorher besser Kunstgeschichte studiert haben, heisst es auf Anfrage bei Medienschaffenden und Ausbildnern. Doch nicht nur im Journalismus fehlen fundierte Ausstellungsbesprechungen, auch in der Museumsfachwelt gibt es kaum Texte, die Ausstellungen in all ihren Dimensionen würdigen und kritisieren.

Wir haben deshalb einen breiten Kriterienkatalog zusammengestellt. Er dient der kritischen Reflexion über unser Medium Ausstellungen. Einerseits soll er sowohl Museumsfachleuten als auch Journalisten helfen, um über die Qualität von Ausstellungen zu reden und zu schreiben. Andererseits kann er auch von Ausstellungsmacherinnen und -machern als modularer Werkzeugkasten für ihre kreative Arbeit genutzt werden.

Wenn es uns gelingt eine Form von fundierten Ausstellungsbesprechungen zu etablieren, lassen sich vielleicht in Zukunft auch die Medienschaffenden dafür gewinnen.

Link zum Kriterienkatalog

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